Komm mit mir in´s Abenteuerland

Zum 5. Sommer-Open-Air hatte der Musikverein Holler am 15. Juni 2019 nach Montabaur auf den Konrad-Adenauer-Platz geladen. Der zentral gelegene Veranstaltungsort in der Westerwälder Kreisstadt platzte an diesem angenehm warmen, trockenen Juniabend aus allen Nähten, hatte der gastgebende Verein doch bekannte und beliebte Verstärkung mitgebracht: die Coverband Supagroove Extended Gold Reloaded war zu Gast und ergänzte das Programm des sinfonischen Blasorchesters mit reichlich gemeinsam vorgetragenen Welthits.

Um möglichst vielen Gästen Platz bieten zu können, hatte der Musikverein das ansonsten jährlich auf dem Großen Markt vor dem alten Rathaus stattfindende Konzert auf den nur einen kurzen Fußmarsch entfernten Konrad-Adenauer-Platz verlegt. Der sonst nicht immer besonders gastlich anmutende Platz war umzäunt, bestuhlt und mit einer Getränkeausgabe herzeigbar gemacht worden. Für das leibliche Wohl sorgte Ludger Görg mit seinem mobilen Imbiss.

Im Vorfeld besonders hervorgehoben wurde der Charity-Character des diesjährigen Sommer-Open-Air. Die Einnahmen der Veranstaltung sollten der Stefan-Morsch-Stiftung zu Gute kommen, die sich für den Kampf gegen die heimtückische Leukämie einsetzt und die dank ihres Engagements zusammen mit engagierten Spendern seit ihrer Gründung 1986 schon viele Menschenleben retten konnte.  Da nahmen die zahlreichen Konzertbesucher auch gerne den in diesem Jahr erhobenen Eintritt in Höhe von 12 Euro (Vorkasse 10 Euro) in Kauf.

Vor hunderten begeisterten Besuchern folgte dann eine musikalische Reise, die sowohl den Aktiven des Musikvereins, der Band als auch den Gästen mehr als ein Mal eine Gänsehaut bescherte und sicher lange in Erinnerung bleiben wird.

Nach kurzen, herzlichen Begrüßungsworten der Schirmherrin der Veranstaltung, Gabi Wieland, der Stadtbürgermeisterin von Montabaur wurde der Abend vom Jugendorchester des Musikvereins Holler eröffnet, das unter der musikalischen Leitung von Marcus Müller mit dem bombastisch orchestrierten “Mount Everest” des bekannten Hollywood-Komponisten Rossano Galante direkt mächtig in die Vollen ging. Einen frühen Glanzpunkt des Abends setzten die Nachwuchs-Musiker mit dem berühmten Soundtrack aus “Fluch der Karibik”.  Mit “Mas que nada” aus der Feder des brasilianischen Sängers und Komponisten Jorge Ben Jor entführte das stark besetzte Jugendorchester die Besucher dann endgültig in südliche Gefilde und zeigte, dass es auch die rhythmus- und percussionbetonte, lateinamerikanische Musikwelt beherrscht und mitreissend interpretieren kann.

Mit dem Wechsel zum SBO (sinfonischen Blasorchester) Holler und der Band Supagroove begann dann eine musikalische Weltreise durch denkbar unterschiedlichste Musikstile aus unterschiedlichsten Zeiten mit unterschiedlichstem Drive, so dass an diesem Abend sowohl das Blasorchester als auch Supagroove Extended Gold reloaded die Vielfalt und Klasse ihres jeweils eigenen und des gemeinsamen Repertoires zeigen und zum Besten geben konnten. Hervorragend dargebotene Soloauftritte von Musikern des SBO setzten – unter der musikalischen Leitung von “Sir” Ulrich Reifenrath – beeindruckende Schlaglichter auf ein rundum stimmiges Potpourri aus rasanten Rockhits und gefühlvollen Meilensteinen der Popgeschichte.

Musikalische Gemeinschaftsarbeit

Bei der Erstellung des Musikprogramms hatten die Organisatoren sichtlich großen Wert darauf gelegt, dass sich Orchester und Band jeweils sowohl “solo” als auch gemeinsam mit einem abwechslungsreichen Programm präsentieren und ergänzen konnten. Da war zum Beispiel “Still got the Blues” von Gary Moore, der vom SBO einfühlsam dargebotene, gitarrenlastige Welthit, der vom erfahrenen Supagroove-Gitarristen Matthias gefühlvoll interpretiert und ergänzt wurde. Bei der “Battle without Honour or Humanity” hingegen konnten Orchester und Band gemeinsam so richtig Vollgas geben und die Innenstadt der beschaulichen Westerwald-Metropole zum Beben bringen. Zwischendrin blieb auch noch Zeit für einen echten Klassiker des amerikanischen Big-Band-Sounds: “Have you met Miss Jones?” versetzte die Besucher zurück in die Glanzzeit der großen amerikanischen Brass-Ensembles. In den späten 1930er Jahren tanzte dazu die ganze Welt beschwipst und beschwingt in den Tanzpalästen diesseits und jenseits des Atlantiks.

 Solisten des Musikvereins Holler glänzten

Besonders zu erwähnen sind ausdrücklich die Solomusiker des SBO – allen voran Sängerin Clara Holly, die bei ihrem ersten Auftritt vor Publikum aber so richtig die “Fetzen fliegen” liess. Die junge Dame ist ein gesangliches Kraftpaket mit spürbar viel Herzblut für die Musik. Eigentlich kaum zu glauben, wie sie den anspruchsvollen Rockhit “Don´t stop believin´” von Journey auf die Bühne nagelt, als hätte sie nie etwas Anderes gemacht. Aber auch an den Instrumenten verfügt der Musikverein Holler über eine klasse Besetzung, dies zeigten in gekonnt vorgetragenen Soloauftritten zum Beispiel Niklas Gogolok an seinem kraftvoll bespielten Tenor-Saxophon, Marvin Meudt, der zeigen konnte, wie gut er sein Flügelhorn beherrscht, Stephanie Hoidn die am späteren Abend bei “Belfast Child” ihren großen Auftritt haben sollte und last but not least Janine Best, die mit ihrem Alt-Saxophon den Prince-Hit “Purple Rain” gekonnt veredelte.

Gleich mehrfach wurde es stark gänsehautlastig, an diesem schönen Sommerabend in Montabaur. Und ja, es flossen auch Tränchen, die sich einige Besucher verstohlen aus den Augenwinkeln wischen mussten. Da ist zunächst einmal die Zugabe zu nennen. Mit John Miles´ anspruchsvollem Welthit “Music” hatten sich die Verantwortlichen einen Titel ausgesucht, der allen Aktiven noch einmal alles abverlangte, bietet der bekannte Song doch von zuckersüßen, balladenhaften Gesangsparts bis hin zu stark akzentuierten Rock- und Popakkorden ständig fliegende musikalische Wechsel. Gesanglich wie instrumental.

Insbesondere jedoch als die letzten Akkorde des tief emotional auf die große Bühne gebrachten “Belfast Child” verklungen waren, war es eine gefühlte Ewigkeit  mucksmäuschenstill unter den Zuhörern, bevor langanhaltender Applaus aufbrandete. Supagroove-Leadsängerin Thea mit ihrer glockenklaren Stimme und Stephanie Hoidn mit ihrem ebenso glockenklaren Flötenspiel hatten die Besucher tief berührt und mit dem klassischen Folksong für einige Momente mitten in das Herz Irlands entführt.  Wenn die irische Flöte ertönt und über allem schwebt, das ist schon harter Tobak, selbst für den in seine Arbeit versunkenen Fotografen. Bravo!

Viel zu früh ging dieser denkwürdige Abend zu Ende. Als ich später ausserhalb des Geländes noch schnell meine Fototasche wieder auf Vordermann brachte, schlenderte ein junges Paar beschwingt an mir vorbei, die junge blonde Dame hatte sich tief in ihren Begleiter eingekuschelt und seufzte: “ich habe selten etwas so Schönes gehört.”

Stimmt.

Am Ende standen also viele zufriedene Besucher, glückliche Gesichter bei allen Beteiligten – und ein stolzer Scheck über den Gesamterlös in Höhe von 7.000 Euro (!), der von dem Musikverein Holler, der Band Supagroove und der Schirmherrin Frau Bürgermeisterin Gabi Wieland gemeinsam der Stefan-Morsch-Stiftung übergeben werden konnte.